Donnerstag, 11. August 2011

Auf ein Neues - der Versuch eines Neubeginns



Was ist das "eine Zeitung". In einer Reihe Jungkatzengesichter spiegelte sich Ratlosigkeit.  Der Fragesteller Twinkle, ein kräftiges Tigerchen mit einer weißen Nase sah in die Runde. Sinchen, ein ältliches Katzenfrollein mit dunklem Tigerpelz hob zu einer Erklärung an. "Das ist ein Papier auf dem steht, was passiert ist und schlaue Leute sagen ihre Meinung dazu.  Man nennt das Journalismus."  Die unsichtbaren Fragezeichen in der Runde hoben und senkten sich. "Was passiert ist?"  "Ja, in der Menschenwelt passiert alle Nase lang was und einige  Menschen schreiben darüber und andere lesen es. Sie sagen, sie können dann mitreden".  Für die Katzenwelt gibt es sowas nicht. Wir benutzen Zeitungen nur um darauf zu sitzen oder sie zu zerreißen. Sie lenken die Aufmerksamkeit unserer Dosenöffner zu sehr von uns ab."

Die Runde schien nicht überzeugt vom Nutzen Dinge niederzuschreiben auf denen andere Leute sitzen. Wessen Hinterteil war schon interessiert daran, wer wann wo Jagdglück hatte ob die Mäuse fett oder ungenießbar waren oder vielleicht ein Flattermann als Beute dabei war. Oder gar, dass man nachts vom Nachbarkater schmählich verprügelt worden ist. Letzteres war auf jeden Fall ein Erlebnis, dass man nicht geneigt war mit anderen zu teilen. 

Paulchen, ein sehr auffällig gekleideter Kater mit großen grünen Augen überlegte laut,  dass die Dosimenschen sich vielleicht freuen würden, auf einer Katzenzeitung zu sitzen, wenn umgekehrt die Katzen doch so gern auf Menschenzeitungen sitzen. Man überging seine philosophischen Anwandlungen und wandte sich praktischeren Dingen zu. 

"Wir können gar nicht schreiben, wir waren noch nicht in der Pfötchenschule" sagte aufgeregt der große grau gegetigerte. Dabei versuchte er, auf den Hinterbeinen zu balancieren und graziös einige Rumbaschritte auszuführen. "Hermann hat Recht"  nickten die anderen während Hermann hintenüberfiel und sich den Kopf am Heizkörper anstieß. Der kleine schwarzhaarige Willy sah sich besorgt zu seinem Freund um. Hermann ließ einen so schön an seinem Bauch nuckeln wenn man sich einsam fühlte. Dann dachte Willy an seine Mammi und alles war gut. Hermann stand schon wieder, Willy war beruhigt. Außerdem stieß Hermann dauernd irgendwo an.  

"Aber die Dosimama könnte aufschreiben was ihr sagt und auch gleich redaktionell überarbeiten." meinte Sinchen.  Man sparte sich die Nachfrage, was redaktionell denn nun wieder bedeutete.  Oben aus der Kratzbaumhöhle hingen lässig zwei lange Beine. Die Besitzerin derselben steckte ihr Näschen über die weißen Pfötchen nach draußen. Ein hübsches Gesichtchen kam zum Vorschein, das aussah, als hätte die Besitzerin gerade aus einem Sahnetopf genascht. Die vier Jungs sahen zu ihrer Schwester Tinkerbell hoch. 

"Tante Ninifee hat doch immer alles aufgeschrieben! Wo ist sie eigentlich, Tante Sinchen?"   Die ältere Katzendame erklärte, dass Ninifee dauerhaft in das andere Land umgezogen sei. Sie wurde dort dringend für die Engelzeitung gebraucht und habe den Job als Chefredakteurin angetreten. Zuvor hatte sie die Bitte geäußert, dass jemand ihre Arbeit hier weiterführt. Bei Rückfragen stünde sie auch gern per Engel-mail über das Internet zur Verfügung."  Die kleinen Katzen waren traurig zu hören, dass ihre Tante nicht mehr da war um mit ihnen zu spielen, ihnen wichtige Dinge zu zeigen und zu erklären und großzügig die besten Essenhappen mit ihnen zu teilen. "Tante Ninifee hat aber nichts auf Papier geschrieben sondern auf der Tastatur und man konnte es auf dem Bildschirm sehen." meinte Tinkerbell.   Der kleine Willy nickte. Auf der Tastatur hatte er auch schon gesessen und  0909999999999  ??? geschrieben. Seine Dosimum war sehr erfreut gewesen und hatte sein erstes Geschreibsel aufbewahrt. 

 "Ja", meinte Sinchen, "wir sollten es auch so fortführen". Nachrichten müssen nicht unbedingt auf Zeitungspapier stehen" Das geht auch virtuell."  -  "Das heißt, das man es im Internet lesen kann und nicht auf Zeitungspapier" erklärte Sinchen, die die Unruhe bemerkte, die sich ob des Wortes virtuell ausbreitete. Internet kannten die kleinen, weil sie oft ihrer Dosimum über die Schulter geschaut hattten, wenn diese etwas angeschaut und für sie bestellt hatte. Etwas vage hatten sie dabei die Vorstellung, das  Internet befinde sich im Monitor oder direkt dahinter.



"Kommt Tante Ninifee zurück?" wollte Paulchen wissen. "Nein", sagt Tante Sinchen. Wer einmal im anderen Land ist kann nicht wieder zurück in unsere Welt. Man bekommt dort kleine Flügel und es würde zu sehr auffallen, wenn man hierzulande damit rumlaufen würde. Irgendwann wird jeder ins andere Land  gerufen und dann sehen wir alle wieder, die wir gern hatten".  Die Kätzchen wollten sich immer noch nicht mit dem Gedanken abfinden, dass ihr geliebte Tante Ninifee, die sich wie eine Mutter um sie gekümmmert hatte überhaupt nicht  mehr für sie da sein sollte. Sie hatten gesehen dass ihre Dosimum furchtbar geweint hatte als  Ninifee in der Küche reglos auf einer Decke lag.  Pinky, ihre richtige Katzenmama war zur Zeit auch gerade unterwegs und ging ihren Interesssen nach. Niemand war da, der sie trösten konnte, mit dem sie kuscheln und sich anlehnen konnten und nun sollten sie auch noch Dinge tun, von denen sie keine Ahnung hatten. 

Willy war weinerlich zumute. Er überlegte, ob er sich an Tante Silla anschmiegen sollte. Silla saß im Sessel gegenüber und rollte ihre großen Augen geschäftig von einem zum anderen. Sie war sein heimlicher Schwarm auch wenn die anderen sagten, sie sähe aus wie eine Eule. Sie war groß und weich. Bewegte sich schnell und geschmeidig.  Ihr Vokabular beschränkte sich auf wenige Miepser und leises Gurren. Ihr Schwanz bewegte sich ständig und formte Kringel, Schlangenlinien, Rechtecke, Pyramiden und komische kleine Männchen . Und obwohl keiner ihre ägyptischen Hieroglyphen entziffern konnte, meinten alle zu verstehen, was sie ausdrücken wollte. Silla genoß das Privileg, bei der Dosi im Arm zu schlafen. Twinkle und Willy versuchten oft, auch ein wenig Nähe abzubekommen hatten dabei jedoch meistens das Pech von Silla ein paar Watschen zu bekommen. Da war ihre Sprache durchaus deutlich und universell. 

Der kleine Willy seufzste und nahm sich vor, bei nächste Gelegenheit der Dosimum lange und ernsthaft ins Gesicht zuschauen, bis sie ihn auf den Arm nahm und ein wenig herumtrug. Das war auch eine tröstene Erfahrung und er konnte danach besser schlafen. 

Sinchen merkte, dass die Katzenkinder überfordert waren und schlug vor, sich den nächsten Tag für eine erneute Lagebesprechung zu treffen. Jeder könnte schon mal überlegen, welche Aufgaben er übernehmen wollte. Sinchen machte sich Sorgen. Mit ihren Computerkenntnissen war es auch nicht weit her. Sie saß zwar regelmäßig mit dem Dosimann vorm PC, ihre Stärke lag aber mehr darin, schnurrend die Geräusche des PC nachzuahmen. Wie sollte sie mit den unerfahrenen Katzenkindern die Berichterstattung von Ninifee fortführen. Sinchen  war schon fast im Rentenalter und das einzig bedeutende in ihrer Laufbahn war das Studium der Vogelkunde, wo sie es zu einigem Ruhm gebracht hatte. 

Sinchen war durchaus pragmatisch veranlagt und als alle den nächsten Tag wieder um und auf dem Eßtisch saßen schlug Sinchen vor einfach anzufangen. Jeder sollte über das berichten, was ihm am wichtigsten war. Aus dem entstehenden Durcheinander würde man nach für nach versuchen, eine geordnete Berichterstattung zu erstellen.

Kätzchen von  GraphicGarden

Kommentare:

  1. Sag Sinchen und den Pinkys, sie haben schon den ersten Abonnenten! ;-)

    LG Christina

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  2. Ja, da schließe ich mich an...das mußt Du jetzt durchziehen. Mir gefällt es jetzt schon sehr gut. : )
    LG Manu

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  3. Ist das schön, dass Sinchen und die großen Kleinen weitermachen! Ich glaube fest daran, dass sie mit Hilfe der Dosimama was richtig Gutes auf die Beine stellen werden.

    Ich freu mich schon!

    LG Finchen mit Kerstin und Ayla

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  4. Wunderschön geschrieben, Christiane, es hat mich sehr bewegt. Ich werde gerne weiterlesen.


    Liebe Grüße


    Claudia

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  5. Liebe Christiane,
    ich freu mich total, daß sich die Katzenversammlung (und natürlich die Dosi) zur Gründung eines Redaktionsteams entschlossen hat. Das Protokoll dieser Versammlung ist ja schon sehr vielversprechend. Soooo schön geschrieben!
    Bin schon auf weitere Berichte gespannt!
    GLG Renate D.

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  6. Liebe Christiane,
    eine wunderbare Neuigkeit. Ich kann mich Renate D. nur anschließen - das Protokoll der Versammlung von Sinchen und der Pfötchen-Bande einfach herrlich. Ich freue mich schon sehr auf die Fortsetzung. Übrigens soll ich von Toni und Lisa viele Schnurr-Grüße bestellen - auch meine Fellbündel freuen sich auf die News von Dosi und der Pfötchen-Gang.
    Du hast uns Allen mit Deinem Entschluß viel Freunde und noch mehr Neugierde geschenkt !!
    GVLG Brigitte P.

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  7. Liebe Christiane,

    auch ich freue mich sehr über diese Neuigkeit!
    Sinchen und ihr junges Redaktionsteam werden das schon schaffen! Macht Silla nicht mit?

    Allein das Protokoll der Sitzung ist schon sooo schön zu lesen, und manchmal auch zum Lachen!
    Ich freue mich schon auf die Geschichten dieses kunterbunten Teams!

    Und, falls Du Dich wunderst, warum ich einen Kommentar gelöscht habe, ich hatte ihn doppelt abgeschickt.

    Alles Liebe für Dich und die Katzen,

    Marina

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  8. Oh ja - jawohl, macht das so, Ihr alle, Ihr Lieben!
    Ich freue mich schon sher aufs Lesen.
    Und Ninifee wird vom anderen Land sicher ab und zu mal heimlich rüberschauen und die Dinge dann für gut befinden; und stolz auf Euch sein.


    Ganz liebe Grüße
    Elena

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