Freitag, 31. August 2012

Auf ein Neues - der Betriebsausflug


"Wir machen einen Betriebsausflug" !  Die 5 Pinkys hielten ein kleines zwangloses Redaktionsmeeting ohne die Erwachsenen auf dem Hof ab und der Vorschlag kam von Willy. "Wer fliegt aus" fragte Paulchen, der sofort an die Schwalben in der Garage dachte und sich Hoffnung auf zartes Junggeflügel machte. Willy, der viel mit der Dosi vorm PC saß und sein Wissen in erster Linie von einem gewissen Herrn Gugel hatte, erklärte, "ein Betriebsausflug sei eine gesellige Zusammenkunft im Kreise der Kollegen - in diesem Fall der Redaktion - bei der man sich zu einer Lokalität begebe, gutes Essen und geistige Erbaulichkeiten zu sich nehme auf dass man lustig werde und sich voll amüsieren könne." Die Pinkys konnten sich zwar nicht viel unter so einer Festivität vorstellen aber das Argument gutes Essen zog immer.

Der Abend war schon fortgeschritten und die Sonne bereits hinter der Weide untergegangen und sandte letztes rotes Licht an den Rand des Abendhimmels. Die Richtung war damit schon mal vorgegeben. Schnell wurde für die geistige Erbauung alles an Katzenminze zusammengerafft was greifbar war.  Proviant war im Moment nicht in Sicht. Igli vertilgte gerade die Reste vom Katzenfutter aus dem Schälchen vor der Tür. Hermann, der oft in Richtung Sonnenuntergang unterwegs war, meinte die Jagdgründe dort seien sehr ergiebig und man brauche nicht unnötig Essbares mit sich rumzutragen. Die Katzenminze sei an sich schon hinderlich bei einem längeren Pfotenmarsch. Igli sauste auf der Suche nach Resten zwischen den Pinkys umher und brachte Hermann auf die Idee, den Igel zu dem Ausflug einzuladen. Igli fand Gefallen bei dem Gedanken an reichlich Futter und ließ sich deshalb willig die Katzenminze auf den Rücken spießen. Sie schauten, dass keiner ihren Abmarsch beobachtete, besonders nicht dieser Spielverderber Keksi, der immer so mackerhaft rüberkam und ihnen bei jeder Gelegenheit Prügel androhte. Dann zogen sie gemeinsam los, Hermann voran, Igli als Nachhut.

Sie überquerten den großen Sandplatz und schlüpften durch das Loch im Zaun hinüber in den Nachbargarten. Von da erreichten sie den Rand der großen Weide und liefen in dem zugewachsenen Graben neben der Straße weiter. Am Ende überquerten sie die Straße und suchten im hohen Gras einer Wiese Deckung. Hermann führte sie in einen kleinen Wald. Mittlerweile war der Mond am Himmel und als sie die Lichtung erreichten, die als Platz für ihre Betriebsfeier auserkoren war, war diese bereits zur Hälfte in diffuses Mondlicht getaucht. Tinky kicherte albern.Sie hatte unterwegs immer mal wieder an Igli gerochen. "Psst " sagte Hermann, "da ist jemand".  Es knackte zwischen  den Bäumen  gegenüber. Ein Mann mit einem Gewehr kam  hervor und kletterte auf einen hohen Stuhl aus langen Hölzern um die Wiesen und Felder vor ihm beobachten zu können. "Er hat einen Knallstock" flüsterte Twinkle ängstlich. Den Pinkys wurde mulmig zumute. Ihre Dosi hatte es immer an den Nerven wenn Männer mit Knallstöcken unterwegs waren und sie hatte ihnen eingeschärft zu Hause zu bleiben, wenn sie einen Jäger auch nur von Ferne wahrnahmen. Sie zogen sich leise in den Schatten zwischen den Bäumen zurück. Nach Hause zurück konnten sie nicht. Dazu mussten sie über die Wiese die der Mann mit dem Knallstock unter Beobachtung hatte.

Sie nahmen die andere Richtung, hinaus aus dem Wald über einen Acker und erreichten einen kleinen Bach der tief in seinem Bett die Felder durchzog. Sie folgten ihm ein Stück und fanden eine geschützte Ecke mit einem Holzstoß der teilweise mit einer Plane abgedeckt war. Hier konnte sie niemand sehen und sie machten es sich bequem. Der Mond stand jetzt hoch und voll am Himmel umgeben von einem bunten Ring, was ihn zu einer perfekten Partybeleuchtung machte. Die Pinkys schnüffelten ihre geistige Erbauung und lauschten dem Konzert einer Band die sich Grilling Stones nannte und die in wilden Rythmen dem Mond und der Sommernacht huldigten. Dazu gesellte sich aus Richtung Bach ein etwas quakiges Blechorchester. Von der vielen Katzenminze ganz rührselig stimmten die Pinkys ein trauriges Katzenlied in Schnurr- Moll an. Es handelte vom einsamen Mondnächten, von unerwiderter Liebe und Seelenschmerz.  Die Grillen schwiegen solange. Ob aus Ergriffenheit oder weil der Gesang so schlecht war ist nicht bekannt. Nur die Frösche quakten monoton weiter. Ans Essen dachte bis auf Igli, der mit Katzenminze kiffen nichts am Hute hatte, niemand mehr. Außer Tinkerbell vielleicht, denn später fehlte ein Mitglied der Grilling Stones und ihre Vorliebe für ausgefallene Snacks war bekannt.

Die Nacht nahm ihren Lauf. Igli, der sich um sein Mahl betrogen fühlte, machte sich frühzeitig auf den Heimweg und nahm die restliche Katzenminze mit. Hermann hatte sich unter die Plane gelegt und war eingeschlafen. Willy und Twinkle halfen Tinky aus dem Bach. Sie wollte dem Quakorchester einen Besuch abstatten und war an dem steilen Ufer abgerutscht. Die drei machten sich gemeinsam auf den Heimweg. Paulchen verschwand desorientiert in einem Maisfeld in entgegengesetzter Richtung und tauchte ebenso wie Hermann erst Tage später wieder auf dem Hof auf. Die Grilling Stones ersetzten das fehlende Mitglied durch einen Frosch und wurden in dieser Besetzung sehr erfolgreich. Die Pinkys brauchten Tage um ihren Rausch auszuschlafen befanden aber den Ausflug  - bis auf Kleinigkeiten im Ablauf - als sehr gelungen.





Kätzchengraphik: graphicgarden


Kommentare:

  1. Hallo liebe Christiane,

    das ist ja eine wunderbare Geschichte zum Start in den Freitag. Igli als Katzenminze-Transporteur und die Grilling Stones - da hat sich bei mir im Kopfkino so einiges abgespielt :-))

    Du und die Pinkys, Ihr seid würdige Nachfolger von Ninifee. Eure Geschichten machen Spaß!

    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende

    Kerstin mit Finchen und Ayla

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    1. Ich danke Dir :-).
      Euch auch ein wunderbares Wochenende.
      LG Christiane

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  2. Stimme Kerstin zu: das ist eine überaus nette Geschichte - danke dafür!

    Schönes Wochenende samt *miau*

    LG Elena

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    1. Danke Elena, Dir auch ein wunderbares Wochenende.
      LG Christiane

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  3. DAS muss ich in aller Ruhe lesen und komme morgen wieder, weil
    jetzt die Zeit etwas knapp ist. Allein diese Graphik zum Betriebsausflug, so passend und ein Hingucker. Helena ist eine wahre Meisterin auf diesem Gebiet.
    Also, bis morgen, liebe Christiane, freue mich schon darauf Deine Geschichte zu lesen.
    Für heute liebe Grüße - auch an die Betriebsausflügler :o)).

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    1. Die Graphik fand ich auch klasse dazu ... wollte erst eine Gruppendarstellung von Deinen nehmen aber die "geistige Erbauung" mittels Katzenminze schien mir hier fast ein wenig greifbar ;-) Die Kätzchen von "graphicgarden" tragen eine ganz andere Handschrift als Deine, auch wenn die Motive sich manchmal ähnlich sind. Sie sind frech und bunt - Deine haben diesen feinen romantischen Touch, den ich so sehr liebe.
      lg Christiane

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  4. H E R R L I C H !!!!!!!
    Diese Geschichte, wird, wann immer ich an sie denke, den ganzen Tag über ein Lächeln in mein Gesicht zaubern. Und ganz bestimmt nicht nur heute.
    Was soll ich sagen ? Einfach großartig ! Du hast aber auch ein Talent, Katzen-Geschichten zu schreiben. Die gehören alle in ein Buch - quasi als gesammelte Werke. Darüber solltest Du wirklich nachdenken - eher, als an Postkarten, obwohl diese auch zauberhaft schön sind - und so romantisch - aber die Geschichten sind einmalig. Ich freue mich schon auf die nächste.
    DANKE fürs Erzählen und bitte, bitte, mehr davon.
    In diesem Sinn ganz liebe Grüße an alle Redaktionsmitgliedern von Laura, die Euch mit einem breiten Lächeln im Gesicht - nicht ohne Hintergdedanken - ein überaus erlebnisreiches Wochenende wünscht.

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    1. Das ist ganz lieb geschrieben von Dir.
      Bei dem Gedanken an ein Buch mit den Geschichten muss ich jedoch an die vielen mir bekannten Leute denken, die schreiben,ihre Bücher meist selbst veröffentlichen und damit keinen Blumentopf gewinnen. Worte und Bücher sind auch schon längst Massenware. Und im Grunde meines Herzens bin ich kein Schreiberling ... die Geschichten kommen spontan. Wenn die Idee da ist brauche ich einen Abend um alles zu "Papier" zu bringen und eine Woche, um die ganzen Schreibfehler zu finden ;-) Aber ich werde mir Mühe geben und hier wieder öfter mal eine Geschichte einstellen. :-)

      ich wünsche Dir auch ein wunderschönes Wochenende
      lg Christiane

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  5. Hallo Christiane,
    das ist wieder mal eine wunderschöne Geschichte über die Pinky-Bande! Ganz bezaubernd von Dir in Worte gefasst!
    LG Renate D.

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  6. Das ist wieder so schön geschrieben, Christiane - deine Geschichten sind einfach wunderbar! Danke schön, dass du sie mit uns teilst.

    Liebe Grüße von Christina

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  7. Christiane, ich lach' mich schlapp! Herrlich!!!!!!!!!!
    Wundervoll geschrieben!

    Liebe Grüße an Dich und die Redaktion in der Sidebar!

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  8. Hallo Christiane,
    Deine Geschichte über den Betriebsausflug der Pinkys - einfach
    genial. Ich freue mich jedesmal, wenn Du eine Deiner wunderbaren Katzengeschichten zu Papier bringst, bzw. in den Computer stellst. Ich habe mich sowas von amüsiert und kann mich nur Laura´s Kommentar anschliessen: Ein Katzengeschichten-Buch von Christiane fehlt noch in den Buchhandlungen ! Habe mir die Geschichte ausgedruckt, damit ich sie - wenn´s mir danach ist - zur Hand nehmen und lesen kann. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung!
    Macht Euch ein wunderbares Wochenende - bei uns lacht die Sonne vom Himmel (die hat wohl auch die Geschichte gelesen ?)- und viele liebe Grüße von
    Brigitte P.
    und den Samtpfoten Toni und Lisa

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