Freitag, 12. Oktober 2012

Vergänglichkeit



Diese Katze liegt auf dem Friedhof. Genauer gesagt auf dem Grab von Oma Else. Ein kleines Stückchen Erde, das aussieht wie ein Beet im Feld und nicht wie ein Fleckchen Erde an einem Ort, wo die Toten schlafen. Einfache Feldblumen stehen darauf in einem Einweckglas. Bilder von Kindern gemalt mit Grüßen an Oma Else finden sich dort. Ein Ort, den man besucht, kleine Geschenke mitbringt und in Gedanken einen kleinen Schwatz mit Oma Else hält. Ganz zwanglos.

Ringsum die ernsten Gräber. Efeubewachsen Treue bis in den Tod verkündend. Mit immer gleichem Blumenschmuck. Von schweren Steinen bedeckt, mit Inschriften, die dem Betrachter die Endlichkeit  mit eindringlichen Worten  verkünden. Manchmal ein Satz über das, was der hier Ruhende für ein bedeutender Mensch war, was er besessen  und erschaffen hat. Engel, die den Verstorbenen über den Tod hinaus das Geleit geben. Antike Figuren mit einem Palmzweig in der Hand. Symbol des ewigen Lebens, der Sieg über den Tod.

Neben steingewordenen Frauen, die den Toten letzte Rosen reichen, auch das ein oder andere Grab auf dem ein echter Rosenstock blüht. Fast irritierend zwischen all der Heide und den Alpenveilchen. Auf einer Grabeinfassung kleine Steinchen als Zeichen, dass jemand zu Besuch gewesen ist. Inmitten der historischen Gräber auch moderne Auffassungen von der Gestaltung der letzten Ruhestätte. Edle Holzkreuze, Schmiedekunst. Grabkultur im Wandel der Jahrhunderte. Vielfalt.

Und trotz meines Hanges zu romantischer Theatralik die einen Engel als Grabwächter als non plus ultra betrachten würde, muss ich angesichts der Katze von Oma Else gestehen, dass mir diese Version im Inneren doch mehr zusagt. Wenn ich dann eines Tages hierher umziehe, dann nicht in unser ehrwürdiges Familiengrab sondern in ein bescheidenes Eigenheim mit meinem Namen an der Tür und einer Katze davor. Wer immer möchte kann mich dort besuchen - ganz zwanglos ;-).







Kommentare:

  1. Ja, ich gebe Dir vollkommen Recht. Die Engelfrau sieht wundervoll aus, aber ich würde mir auch diese natürliche, heitere Leichtigkeit mit Katze für mein Grab wünschen.

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    1. Ich bewundere die klassische Schönheit dieser Statuen. Aber das kann ich ja zu Lebzeiten noch auskosten :-)
      LG Chrisitane

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  2. Christiane, persönlich mag ich diesen ganzen Friedhofszinober nicht und auch ich würde diese kleine Katze vorziehen, anstatt einen mächtigen Wächter neben mir zu sehen.
    Einfach schön, wenn zwanglos jemand zu dem Ort kommt, wie das die Enkel? von Oma Else machen und ihr ein selbst gemaltes Bild mitbringen.

    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende
    Christa

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    1. Von den meisten Friedhöfen würde ich auch gleich am liebsten wieder fliehen aber so ein historischer Friedhof, die Gräber eingewachsen in einen Park, ist für mich schon mal einen Spaziergang und das ein oder andere ehrfürchtige Staunen wert. Als Kind habe ich schon immer die Engel angestaunt - und das tue ich heute immer noch ;-)
      LG Christiane

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  3. Hallo liebe Christiane,

    liebevoll gelebte Trauerkultur von ihrer schönsten Seite, die Oma Else zu Lebzeiten sicher hätte staunen lassen! Mich begeistert sie jedenfalls sehr und ich danke dir für diesen Blick durchs Schlüsselloch ;)

    Ich träume übrigens eher davon, mich eines Tages einfach dem Wind anheim geben zu dürfen und mit ihm um die Welt zu reisen. Schön wärs!

    Alles Liebe
    Anna

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  4. Så lugnt och fint katten sover på sin speciella plats!

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  5. Für Friedhofsspaziergänge ziehe ich eindeutig auch die alten parkartigen Anlagen vor - da schaue ich gern nach romantischem Grabschmuck und moosbewachsenen Skulpturen. Ich möchte selbst aber ganz sicher niemals unter einer dicken Mamorplatte enden, oder mit 'Kopfweh' durch einen bedeutungsschweren Grabstein... ;-)
    Da ist mir Oma Elses schlafendes Kätzchen viel sympathischer.

    Liebe Grüße von Christina

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