Mittwoch, 10. Juli 2013

Der Weg ins Leben

Wie jedes Jahr spielen sich wieder Dramen ab in der höfischen Vogelwelt. Den gestrigen Tag habe ich damit verbracht,  kleine Rotschwänzchen aus der Scheune zu lotsen und den  Zugriff  der Katzen auf einen Junggeflügelsnack abzuwehren.

Die Rotschwänzchen hatten sich gegen meinen Rat ein Nest in der Scheune gebaut, nah bei der Tür, uneinsehbar hinter einem Brett etwa in 2 m Höhe. Da die Tür meistens geschlossen ist, nutzten sie das gekippte Fenster für den Ein- und Ausflug. Die Katzen, hier insbesondere Tinkerbell, interessierte das Nest erst, als die Jungen anfingen beim Füttern zu fiepsen. Aha, ein unverhofftes Nahrungsangebot allerdings momentan ohne Zugriffsmöglichkeit. So saß sie dann geduldig Tag für Tag auf den Späneballen, die vorne neben der Tür lagerten. Saß da und wartete, bis vorgestern die Rotschwanzeltern rund um das Scheunenfenster Flugdemonstrationen vornahmen und eifrig mit fetten grünen Würmern wedelnd versuchten, ihrem Nachwuchs den Weg ins Freie schmackhaft zu machen.  Sowohl Tinkerbell als auch ich gerieten in erhöhte Alarmbereitschaft.

Abends saß tatsächlich einer der kleinen Pipifaxe vor der Tür, ins Gras geduckt, ich hätte fast draufgetreten. Diese Vögel agieren wie ein kleines Kind, dass sich die Augen zuhält und sagt "such mich mal". Stecken den Kopf ins Gras und denken, keiner sieht sie. Warum die nach Verlassen des Nestes erst dumm auf dem Boden rumhocken statt sich gleich in die Luft zu machen ist mir schleierhaft. Die können definitiv schon fliegen. Dieses Verhalten hat hier schon vielen Nachwuchsschwänzchen das Leben gekostet. Tinkerbell muss den Ausflug des kleinen versäumt haben und er wurde wieder in die Höhe auf das Brett gehievt. Gestern spitzte sich die Situation zu. Die Eltern wieder flatternd, mit schrillen Gefiepe und Würmerwedeln vor dem Nest und dem Fenster. Die Jungen machten derweil Laufübungen auf dem Brett,  man hörte das Getrippel. Willy und Tinkerbell saßen einträchtig unter dem Nest und an der Richtung in der sich ihre Köpfchen synchron drehten konnte man erkennen, wo sich die Piepmätze auf ihrem Laufsteg gerade befanden. Vorsichtshalber machte ich Tür und auch das große Tor auf um Fluchtmöglichkeiten zu schaffen. Langer Rede, kurzer Sinn. Von den ersten beiden, die auf dem Boden saßen, schaffte es einer nach draußen. Der andere drehte eine Runde in der Scheune und  fiel oben auf dem Heuboden der angenehm überraschten Tinkerbell direkt vor die Pfoten. Äußerst zufrieden nach ihrem Imbiss ging sie dann mit mir in die Wohnung und legte sich eine Runde aufs Ohr.

Jetzt war der Weg frei für die anderen. Kurzerhand nahm ich das ganze Brett und setzte die Rotschwänzchen an die Luft. Es gelang sie nach für nach alle in die Luft zu scheuchen und die Dummrumsitzphase entscheidend und lebensrettend abzukürzen. Einer verirrte sich ins Nebengebäude, wurde da aber von Mama gefunden und versorgt und fand auch später den Ausgang.  Ich hoffe nur diese Vögel suchen sich für ihre 2. Brut einen besseren Platz und strapazieren meine Nerven nicht noch einmal auf diese Weise.



Kommentare:

  1. Oh wie bildhaft kann ich mir das Drama vorstellen....
    Bin auch dauernd wie auf Nadeln und nur wenn sie in der Küche schlafen kann ich beruhigt sein!
    Die Fotos des kleinen Matzen sind einfach hinreißend!
    Wünsche dir einen entspannten Nachmittag
    ❤- lich Brigitte

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  2. Was für eine Geschichte! Und was für ein Stress! Meine Stress-Vögel sind eher die Amseln, die ihre flugunfähigen Kinder durch den Garten führen.

    Kannst Du nicht irgendwo an günstigerer Stelle einen Nistkasten aufhängen? Dann wäre die Gefahr für die Kleinen etwas minimiert.
    Es ist immer so traurig, wenn die kleinen Piepser als Katzenfutter enden müssen - andrerseits hat die Natur die Verluste mit eingerechnet, wenn man bedenkt, dass meist nur ganz wenige Jungtiere das nächste Jahr erleben.

    Liebe Grüße

    Kerstin mit Finchen und Ayla

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    1. Ich glaube, Rotschwänzchen nehmen keine Nistkästen an, sind keine Höhlenbrüter. Die brüten immer auf einer Fläche, einem Vorsprung o. ä.

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    2. Ja, die mögen es dunkel und sind sehr eigen, was die Auswahl für ihren Brutsitz angeht.
      Christiane

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    3. Bei uns haben die Hausrotschwänze schon mehrfach im Nistkasten - Halbhöhle - ihre Kinder großgezogen. Voraussetzung ist natürlich, dass ihnen der Standort gefällt.

      LG Kerstin

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  3. Lach... bei uns haben es die Rotschwanz-Eltern auch auf schmerzhafte Weise gelernt, nicht mehr unter dem Terrassendach zu nisten. Da hast Du aber beherzt zugegriffen, das war eine gute Lösung der heiklen Situation. Noahs Beutezug hat ihm in diesem Jahr zwei Meisen und zwei Amselkinder verschafft... dabei dachte ich noch, wir kämen dieses Jahr mal ohne Drama davon. Jäh nu, wir mögen schliesslich auch nicht immer Fertigfutter mampfen, nicht :o).
    En liebe Gruess
    Alex

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  4. Da hat sich das Rotschwänzchenpaar in der Tat einen schlechten Platz zum Brüten bei dir ausgesucht mit all den Stubentigern, deren Jagdinstinkt natürlich sofort geweckt ist, kommt ein Vogel in die Nähe.
    Du konntest aber die Situation noch entschärfen und einige retten.

    Hey, du musst deine Schmusetigerbande einfach besser erziehen. *g*

    Kleine Vogelkinder haben noch keine Angst und können Gefahren nicht einschätzen. Der Instinkt sagt da noch: "Toter Mann spielen oder sich ganz ruhig verhalten."
    Klappt ja auch oft, aber nicht immer. :(

    Liebe Grüße
    Christa

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  5. Wir hatten auch ein Rotschwänzchen-Nest bei uns im Fahrradschuppen, dort ist über der Tür ein Streifen frei zum Ein- und Ausfliegen. Die Katze kann dort nicht rein (außer natürlich die Tür ist offen - ist sie aber nie, außer wir holen grad ein Fahrrad raus oder stellens rein, aber dann sind wir ja dabei). Das Flügge-Werden hat auch gut geklappt, so wie ich das beobachten konnte. Aber die Vogeleltern haben auch immer sowas von geschimpft, als sie Knöpferl nur von weitem gesehen haben, das hat richtig wehgetan in den Ohren. Knöpferl hat das auch nicht gefallen. Die haben sogar geschimpft, wenn sie nur drin am Fenster saß! Sowas hab ich noch nicht erlebt. Ich mein, alle Vögel schimpfen, wenn eine Katze vorbeiläuft, aber so ein penetrantes Geschimpfe wie von den Rotschwanz-Eltern hab ich noch nicht erlebt.

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    1. Du hast Recht, bei nervtötendem Geschrei stehen die Rotschänzchen ganz oben auf der Skala. Gleichzeitig bringen die noch ein zweites Geräusch zustande das sich anhört, als schlage man 2 Bambusstäbe aneinander. Ich weiß so immer, wo sich gerade eine der Katzen befindet. Die Schwalben schimpfen auch - und greifen die Katzen auch sofort an. Die haben nie Probleme mit ihren Jungen.
      lg Christiane

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  6. Da ist ja wieder ordentlich was los, bei Euch auf dem Hofe.
    Landleben pur mit allem, was dazu gehört. Ich finde Deine Hofgeschichten immer wieder schön und zum Schmunzeln, auch wenn es für Dich sicher purer Stress ist. Die Fotos von dem Piepmatz sind allerliebst. Man möchte ihm einen dicken Schmatzer auf seinen Zuckerschnabel geben und knuddeln. Zur Zeit höre ich hier auch von überall Gepiepse von Jungvögeln - zu schön ist das !
    Ich wünsche Dir, liebe Christiane, Deiner Bande und den Piepmätzen ein entspanntes und erholsamen Wochenende und schicke liebe Grüße zu Euch !
    Macht's gut !
    Laura, die jetzt den Rasen mäht :o).

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