Freitag, 19. Juli 2013

Durch dick und dünn

Als Kind hatte ich zwei Teddybären. Dickie und Dünni. Die Namen sagen schon das wesentliche über ihre Eigenschaften aus. Dünni war ein dürres hellbraunes haariges Etwas mit langen Armen was ihn etwas sperrig im Handling machte. Vielleicht war das der Grund, dass ich ihm die Haare auszurupfen pflegte und sie mir mit Spucke als Schnurrbart anklebte.  Keine Bange, er hatte bis zu seinem Ende immer noch Restfell. (nach Ausage meines Vaters ging er bei einem Umzug verloren - habe ich nie geglaubt).  Dickie war groß, hellblau, dick, rund und plüschig. So richtig was zum Liebhaben.  Er stammte vom Bremer Freimarkt. Meine Mutter hatte immer Glück an den Losbuden und ihn von dort als Hauptgewinn mit nach Hause gebracht.

Dünni, meine Eltern und ich

Heute habe ich keine Teddys mehr sondern Katzen. Aber es gibt Gemeinsamkeiten mit den Kumpels aus den  Kindertagen. In der Pinkybande findet sich Dünni und Dickie wieder in Hermann und Twinkle. Nein, Twinkle wurde nicht blau eingefärbt und nein,  ich rupfe dem armen Hermann nicht das spärliche Fell aus. Mein Geschmack in Bezug auf Gesichtsbehaarung hat sich doch im Laufe der Jahre grundlegend geändert. Nichtsdestotrotz haben wir in Twinkle den dicken gemütlichen Kuschler - viel weiche wohlig wollige warme Fläche für kuschelbedürftige Menschenhände. Immer ein bisschen verlegen und unsicher, ob man ihn denn wirklich liebhat und ob man vielleicht die linke Seite noch ein wenig durchkraulen könnte? Und den Bauch auch noch mal?

In Hermann finden wir einen schlanken Selfmadeschmuser. Einen schlecht zu greifenden Akteur, der auf 2 Beinen balancierend versucht, die Streichelhand von sich aus zu erreichen. Dann lässt er sich umfallen im Vertrauen man würde ihn auffangen bevor er gegen Stuhlbeine, Schränke oder Heizkörper schlägt.   Das bedarf einer gewissen Vorausschau in welche Richtung er sich im nächsten Augenblick wendet und macht die Schmuseeinheiten anstrengend. Aber wenn er auf dem Sofa neben einem zu sitzen kommt, legt er sich auf den Rücken, nimmt die Streichelhand vorsichtig zwischen die Pfötchen und knabbert zärtlich an den Fingerspitzen.Dann reckt er sich hoch und überhäuft das Menschengesicht mit feuchten Küssen. Was für ein Charmeur. Habe ich schon mal erwähnt, dass ich allergisch gegen Katzen bin?

Und wo wir gerade bei den Schmuseeigenheiten sind, wollen wir auch einen Blick auf die übrige Bande werfen. Paulchen ist ein ganz wilder Schmuser. Aufgeregt und laut schreiend verkündet er,  dass er unbedingt einen Moment der Zuwendung braucht. Hoch oben auf dem Kratzbaum in sehr angenehmer Höhe für die streichelnde Hand. Er gerät völlig aus dem Häuschen wenn man sich mit ihm beschäftigt. Ausgerechnet Paulchen, der viel länger brauchte als seine Geschwister um Vertrauen zum Menschen zu fassen, der immer zur Seite rückte, wenn sich ihm die Hand näherte. "Bitte, zähme mich" sagte der kleine Fuchs. "Was muss ich da tun" sagte der kleine Prinz. "Du musst geduldig sein" sagte der Fuchs. "Du setzt dich neben mir ins Gras und du wirst nichts sagen. Die Sprache ist die Quelle der Missverständnisse. Aber jeden Tag wirst du dich ein bißschen näher setzten können"... Was soll ich sagen ... auf diese Weise hat es tatsächlich geklappt.

Tinky kommt selber an wenn sie ihre kuscheligen Minuten hat. Sie liebt es auf den Arm genommen zu werden und legt sich dann wie ein Schal um meinen Hals. Sie kann gar nicht genug davon bekommen und fängt an, vor Vergnügen zu sabbern. Das ist der Moment, in dem ich abbrechen muss wegen Allergie gegen Katzenspucke und so.  Willy ist unaufdringlich, unterhält sich mit leiser Stimme und schmust verhalten. Er ist und bleibt eines: niedlich. Gibt freiwillig sein seidiges schwarzes Bäuchlein preis und seine Augen schließen und öffnen sich vor Wonne, seine Pfötchen kneten Liebesbekundungen in der Luft. Er ist ein besonders kostbares kleines Juwel. Einzigartig wie die anderen aber manchmal scheint einem ein Individuum einziger als die anderen.

Ich will nicht verhehlen, dass es anstrengend ist so vielen Charakteren gerecht zu werden. Trotzdem ... und um ein hinlänglich bekanntes Zitat aus dem kleinen Prinzen auch hier noch einmal zu bemühen: es gilt für alle, was der Fuchs dem kleinen Prinzen mit auf den Weg gab, "Du bist verantwortlich für das, was du dir vertraut gemacht hast."

Und weil die Pinkybande die Sommertage nutzt und tagsüber Ausflüge in die  Umgebung macht, habe ich keine Katzenfotos zur Zeit.  Nur diese kleine  Schmuseszene zwischen Paulchen und Twinkle.



Kommentare:

  1. Hallo Christiane,

    ja, die alten Teddys! Ich habe meinen Zotty noch, der einst mein zweiter Teddy war und jetzt so etwa 50 Jahre alt sein muss. Auch einige alte Steifftiere, die ich sehr liebte und noch liebe, sitzen in einer Vitrine. Mein erster Teddy und einige weitere geliebte Steifftiere sind meinem Vater zum Opfer gefallen, der sie weggeschmissen hat, als ich 16 war - du bist doch zu alt für sowas, sagte er nach dem Keller-Aufräumen. Damit hat er sich den Zorn der gesamten weiblichen Verwandtschaft zugezogen - und das über Jahrzehnte. Ach ja, seufz.

    Das Schmuseverhalten der Pinkys ist ja süß! Da hast Du ja was zu tun. Mir genügen die zwei Damen voll und ganz, zumal Ayla sehr besitzergreifend sein kann und es toll findet, mich von oben bis unten abzulecken und vollzusabbern, was ich aber meist zu verhindern weiß.
    Die Bilder sind schön - sowas bekomme ich eher selten zu sehen. Und es sind wieder schöne "echte" Bilder ;-))!

    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende

    Kerstin mit Finchen und Ayla

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  2. Liebe Christiane,
    was für ein entzückendes Kinderfoto von dir, so goldig und die Katzen-Anschmusfotos sind wundervoll gelungen, tolle Aufnahmen.
    Liebe Grüße von Tatjana

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  3. Halo Christiane,
    Ich genoss die Anzeige Ihrer alten Foto. Mein alter Teddy - über 60 Jahre alt - ist auf mein Bett. Vielleicht werde ich auch bloggen ihm! Sein Name ist "Teddy". Sie haben eine wunderbare Band von Katzen. Wie kamen sie den Namen "Pinkys?"

    Greg und seine Katzen

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  4. Liebe Christiane,
    es ist schon erstaunlich wie jedes Tierchen seinen eigenen Charakter und seine Vorlieben entwickelt. Die Katzenknetepfötchen kenne ich nur zu gut. Nur knetet Rambo dann gerne meine Arme. Die Schmusebilder sind so niedlich.
    Liebe Grüße vom Emma und Lotte Frauchen

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  5. DAs sind wirklich ganz bezaubernde Momente von deinen beiden Lieblingen und du hast sie so wundervoll festgehalten, Christiane.
    Die beiden haben jetzt neben den anderen ihren festen Platz bei dir eingenommen. Dein Vergleich zu deines Teddies aus der Kindheit ist einfach nur zu treffend. :-)

    Ganz liebe Grüße
    Christa

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  6. So schöne Schmusebilder!
    Und - wie witzig - bei uns ist auch "Willy" der sanfteste und schmusigste von allen. Lieschen Radieschen ist eine sehr eigenwillige, fast divenhafte junge Dame geworden, Herr Fritz ist eh "der Pate" und versorgt alle mit Mäusen und Maulwurfn,lässt sich nur selten zu irgendwelchen Intimitäten hinreißen, und Socke ist die Oberzicke, die großzügige Tatzenhiebe verteilt.

    Schnurrige Grüße vom
    LandEi

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  7. Love old photos and lucky enough to have a few family ones from many years back.

    Also love hearing your stories and the photos of Paulie and Twinkle.

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  8. Ich komme erst heute zum Lesen: danke für diesen Bericht, diesen wunderbaren, wunderschönen, innigen.
    Und ja: der abschließende Satz, den Du aus dem "Kleinen Prinzen" bringst, der zählt so sehr!

    In, wie ich meine und mich zu schreiben getraue, verständnisvoller Zuneigung

    Elena

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