Mittwoch, 25. September 2013

Auf ein Neues - von Geistern und Kobolden





Willy ging über den Hof. Es war schon später Abend und er sollte eigentlich schon längst im Haus sein. Willy fand die Nacht sei noch jung und er verspürte noch kein Verlangen nach einem warmen Nachtlager in Dosis Bett. Er war sehr zufrieden mit sich, hatte er doch gerade im dem leerstehenden Gebäude hinter dem Topfgarten die Gespenster aus den dunklen Ecken vertrieben. Gespenster, das waren Nachtschatten, die in ihren Verstecken darauf warteten, den Vorbeigehenden durch Stöhnen und hohles Heulen Angst einzujagen. Manchmal fassten sie einen auch mit ihren feuchten Fingern an und man verspürte kalte Schauer auf dem Rücken. Man konnte sie einschüchtern, wenn man laut sang. Willy überlegte, ob er in der Scheune mit den Geistern in den Spinnweben weitermachen sollte, sah aber dann davon ab, weil er nicht wusste, ob Keksi zuhause war. Keksi hatte das Singmonopol in der Scheune. Es war sein Opernhaus. Aber er sang nicht wegen der Geister sondern um sich allgemein Gehör zu verschaffen. Er beanspruchte mit seinen Arien nicht nur die Scheune sondern den ganzen Hof. Dieser überhebliche Heldentenor konnte einem das Leben schon schwer machen. Weil er einem ewig nach schlich und Prügel androhte - wenn er nicht gerade Liedgut von sich gab oder mit dem Gesicht im Fressnapf verschwunden war. Manchmal machte er auch Pinky den Hof. Dann sang er Minnelieder zur Laute, sah frisurmäßig etwas derangiert aus und wirkte immer ein wenig verlegen. Willy bewunderte Twinkle, der es wagte, trotz Keksis furchteinflößender Präsens mitten auf dem Hof traditionelle Mi-Jauel-Gesänge anzustimmen. Zur Reinigung des Ortes und Besänftigung der Geister. Schamanengesang voller Inbrunst und Überzeugung. Das führte zwangsläufig zu Mißstimmigkeiten mit dem Heldentenor. Willy hatte vor ein paar Tagen Twinkle und Keksi im Ringkampf gesehen. Nicht mehr im Sangeswettstreit sondern im Nahkampf. Und der Gesang dazu war mehr ein Geschrei. Die Dosi hatte das Gerangel beendet. Keksi gab Fersengeld wenn er sie nur von weitem sah. Willy wollte kein Risiko eingehen und ging leise rüber zum Birnbaum.

Er grüßte Igli, der dabei war die beiden Fress-Schälchen vor der Hintertür auf Reste zu untersuchen. "nabend! nuschelte der Igel zurück. Etwas huschte den Birnbaum hinunter. Dunkelbraun und wuschelig, . "Oh nein, nicht der wieder" dachte Willy. Es war Öffi. Öffi war ein Marder, ein Steinmarder hatte die Dosi wichtig festgestellt. Öffi machte sich allenthalben unbeliebt: beim Dosimann weil der um die Kabel im seinem Auto fürchtet. Bei der Dosi, weil er Nachts randalierte. Bei Igli, weil Öffi die Reste vom Katzenfutter für sich beanspruchte. Bei den Pinkys, weil er ihren Unterschlupf im Dach über der Futterkammer in Beschlag genommen hatte.

"Ufffufffufff, lecker" Öffi stürzte sich auf die Schale, die Igli in Beschlag genommen hatte. "Hau ab" sagte der Igel. Öffi rückt ein Stückchen weiter als Igli ihm eine Stachelbreitseite verpasste. Igli rückte nach und Öffi wich wieder aus, unbekümmert dabei weiter fressend. Igli wurde sauer und versuchte den ungebetenen Fresspartner mit der Schnauze hochzuhebeln und umzuwerfen. Aber so ein Marder ist lang und beweglich und außerdem unter all dem Pelz schwer zu finden. Öffi war weiter unbeeindruckt und fing an Scheinangriffe auf Igli zu starten. "Attacke " rief er - "Attacke". Dabei sprang er dreieckig auf Igli zu und wieder zurück. Der Igel kapitulierte und verzog sich hinter die Mülltonnen. Öffi richtet seine Kampflaune nun auf die alte Fussmatte, die über den Zaun gehängt dazu diente, die Krallen dran sauberzumachen, ehe man das Haus betrat. Er verbiss sich in eine der Ecken und zerrte mit aller Kraft. Die Fussmatte reagierte träge indem sie ein paar Fransen an der malträtierten Ecke raushängen ließ. Öffi hüpfte nun auf den Zaun, balancierte ein wenig und sprang mit Schmackes in den Rosenbusch.

Fürs erste schien nun Ruhe eingekehrt zu sein und Willy überlegte, ob er noch eine Runde im Garten drehen sollte auf der Suche nach weiterem Nachtgetier oder sich am Fliegengitter bemerkbar machen sollte, damit man ihm Einlass gewähre. Ehe er noch eine Entscheidung treffen konnte , hörte er die Stimmer von Pinky, seiner Mutter. "Gib das sofort zurück." rief sie.  Es folgte das Geräusch umfallender Gegenstände und ein Schleifen. "Eindeutig aus der Futterkammer" dachte Willy und sah um die Ecke. Öffi hatte Pinkys blaue Decke am Schlafittchen und versuchte sie gänzlich aus dem Eingang herauszuzerren. Flugs war er damit am Birnbaum und wollte seine unhandliche Beute nach oben in sein Domizil schaffen. So eine gemütlich Schlafunterlage hatte er schon lange einmal haben wollen. Pinky hechtete hinterher und krallte sich ans andere Ende der Decke. So schnell wollte sie dem Marder ihr Eigentum nicht überlassen. Willy kam ihr zu Hilfe und gemeinsam brachten sie Öffi samt Decke zu Boden. Öffi hatte ein sonniges Gemüt und seine Niederlage machte ihm nichts. Es findet sich immer ein neues Glück. So biss er nochmal herzhaft in die Fußmatte und stellte sich vor der Hintertür auf die Hinterbeine um zu sehen, ob nicht dahinter jemand mit einer Dose Katzenfutter in der Hand sich anschickte, den Napf aufzufüllen.

Willy nahm sich vor, bei nächster Gelegenheit das Redaktionsteam zu bitten, einen Beschwerdebrief wegen des Marders zu formulieren. Wenn das nichts half musste man sich andere Sachen ausdenken. Auf die Dauer wollte man diesen dreisten Eindringling nicht dulden. Gut, er war größer als eine Maus aber kleiner als eine Katze. Und die Dosie hatte von dem verstorbenen Onkel Pigeldy erzählt, der ausgewachsene Kaninchen als Beute mit nach Hause geschleppt hat. Willy beschloss Herrn Google bei Gelegenheit zu fragen, ob Marder zu den für Katzen geeigneten Beutetieren zählten und hoffte inständig, nicht von der umgekehrten Variante erfahren zu müssen.














Kommentare:

  1. Willy sollte sich dringend um einen Jack-Russel-Terrier bemühen. Unser kleiner Kater Max, der ja leider vor zwei Jahren vor unserem Haus überfahren worden war, hat nämlich mit Jack-Russel-Fräulein Emmi ein Team gebildet und den wirklich dreisten Marder gefangen, der nicht nur im Zwischenboden randaliert und unserem Igli das Futter weggefuttert sowie die Kaninchen im Außengehege in Angst und Schrecken versetzt hatte, sondern auch Kabelsalat und sonstigen Schaden angerichtet hatte. Am ende hätte er noch das Haus durch weiteren Kabelsalat in Brand gesetzt, aber die beiden haben heroisch dem wüsten Treiben ein Ende gesetzt. Er möge in Frieden ruhen. Oder so. Hauptsache, er ist weg.
    Liebe Grüße vom
    LandEi

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  2. :o))))))))) !!!!! Was für eine Action bei Euch ! Spannender als alle Fernsehprogramme - und lustig obendrein. An Dir ist wirklich eine Katzen-Geschichten-Erzählerin verlorengegangen. Großartig !!
    Liebe Grüße auch an die Redaktionsmitglieder sendet Dir Laura,
    die auf mehr Geschichten hofft und Euch erst einmal einen erholsamen Tag wünscht :o)

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  3. .....so schön, toll erzählt und supertolle Fotos.
    Liebe Grüße von Tatjana

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  4. Hallo Christiane,

    das ist aber ein wunderbares Katzen-Aben(d)teuer! Du hast wirklich ein Gespür dafür, wie die Katzen das Leben bei Euch sehen - samt tierischer Nachbarschaft. Der Marder und der Igel sind ja echt klasse beschrieben, ich seh die beiden so richtig vor meinem inneren Auge.

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  5. Hallo Christiane
    Wieder genial geschrieben vom Redaktionsteam! Hmm, da gibt es nur eins: sich verbünden. Igel und Katzen gegen den Marder. So ein frecher Kerl.
    Habt ein schönes Wochenende!
    En liebe Gruess
    Alex

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