Samstag, 15. Februar 2014

alles für die Katz 4

alles für die Katz - wörtlich genommen

Ich bin kein großer Deko-Freak.  Stellle gelegentlich hier und da ein paar Gegenstände hin, die mir im Moment gut gefallen und arrangiere sie mit farblich passendem Krimskrams. Es entstehen kleine Ecken, die anfangs das Auge erfreuen, später vollstauben, irgendwann fad erscheinen und danach verlangen weggeräumt zu werden. Oft  überkommt mich der Hang zur Vereinfachung und alles verschwindet in Kartons und aus dem Gedächniss. Bis zum nächsten Dekoanfall.

Den hatte ich vor ein paar Tagen. Ausgelöst durch Tatjana . Eine rosa Katze arrangiert in einer alten Kaffeemühle. Wie geil ist das denn - dem wollte ich nacheifern.  An dem ein oder anderen Porzellankätzchen herrscht hier kein Mangel und so eine Kaffeemühle steht in der Küche. Hat ihre besten Zeiten weit hinter sich gelassen und sieht ein wenig schäbig aus. Warum kauft man sowas auf dem Flohmarkt? Weil man zuhause eine ähnliche, sehr schöne alte Kaffeemühle hatte, weil man Erinnerungen an die Sonntage hat, wenn der Vater mit dem Teil auf einer Treppenstufe saß und damit frisch die Kaffebohnen zermahlte. Das Geräusch, das sie machte, der Geruch. Die Familien-Kaffeemühle fiel der Experimentierfreudigkeit meines Bruders zum Opfer. Irgendein chemisches Experiment,  was zu  einer  Explosion führte und die Kaffeemühle unbrauchbar machte. Ich habe der alten Mühle immer nachgetrauert und das führte dann zu diesem Teil die bei uns in der Küche, das oben auf der Handtuchbord thront.

Soviel dazu. Jetzt also rein ins Dekovergnügen. Die Mühle war da und die Porzellankatzen fand ich nach langem Suchen friedlich vereint in einer Schublade. Fix die Lade für das Kaffeepulver aufgetan, eine Figur reingestellt und die Mühle wieder auf ihre Bord. Nun ist die Bord sehr schmal und die herausgezogene Lade stand weit über, verlor ihren Halt und stürzte samt Inhalt in die Tiefe. Der Unfall endete mit einem Beinbruch für die Katze.

Die umgehend eingeleitete Erstversorgung erforderte eine starke Lesebrille und starken Klebstoff. Leider ist Uhu nicht das, was es früher mal war. Es klebt beileibe nicht alles aber zuverlässig die Finger aneinander und vor allem die Tülle vorn an der Tube dicht. Man steht dann vor der Wahl mit einer Nadel einen Durchbruch an der dafür vorgesehenen Austrittsstelle zu schaffen oder durch Kraftaufwand einen im voraus nicht berechenbaren Ersatzausgang an der Tube selbst zu kreieren. Was eine ziemliche Sauerei verursacht. Während ich also abwechselnd an der Tube, an der Porzellankatze und meinen eigenen Fingern festklebe, schaltet sich unsere Frau Pieselschön ins Geschehen ein. Frau Pieselschön ist eine echte Katze. Sie ist von Natur mit einem etwas unbedarftem Wesen ausgestattet, dem es an einer gewissen Vorausschau was ihre Aktionen angeht, mangelt. Sie hat ihren morgendlichen Toilettengang beendet und während sich das geruchlich langsam in der Wohnung bemerkbar macht, springt sie fröhlich und guter Dinge - weil einer Last entledigt - mitten auf meinen klebrigen OP-Tisch. Wirft sämtliche Utensilien durcheinander und wendet dabei geschickt die Papierunterlage auf der meine Restauration stattfindet. Mit fröhlichem Maunzen  rettet sie sich aus dem Chaos mit einem beherzten Sprung ans Fenster. Der Klebstoff, der sich mittlerweile zäh und trüb aus der Tube ergießt, freut sich über neue Möglichkeiten und vereint einen Kugelschreiber nebst 2 Büroklammern innig mit der Schreibtischunterlage. Die Tischlampe versucht einem ähnlichen Schicksal zu entgehen und lässt sich in Panik rückwärts vom Schreibtisch fallen.  Router und Telefon wollen hinterher, was ich mit Hilfe der klebrigen Finger aber noch verhindern kann.

Nach Ordnen aller Dinge und kümmern um das Katzenklo beschließe ich, die operierte Katze unter einen Glassturz zu stellen. Zur Rekonvaleszenz sozusagen. In die Lade kommt eine andere Figur, die, weil kleiner zunächst noch eine Polsterunterlage benötigt. Dann stelle ich fest, dass das Arrangement oben auf der Bord gar nicht zur Geltung kommt. Bliebe noch die Fensterbank. Dort steht z. Zt. aber eine rote Emaillekanne. Ein formschönes optisch sehr ansprechendes Teil. Die Mutter aller  Kannen sozusagen. Ein Austausch mit der Kaffeemühle nebst Katze kommt nicht in die Tüte. Was tun? Ganz einfach: Katzen wieder in die Schublade, Kaffeemühle wieder auf die Bord.  Viel Aufwand, wenig Ergebnis: alles für die Katz eben.


Das Unfallopfer 


Frau Pieselschön ...




und die Ersatzkandidatin


verlinkt mit "alles für die Katz 4" bei Kalle bloggt








Kommentare:

  1. Aaaah, daher kam mir das Bild mit der Kaffeemühle bekannt vor ;)
    Ich fand die Idee von Tatjana auch toll....wo hab ich nur die Kaffeemühlen vesteckt !?! : D

    Die operierte Katze gefiel mir besser, aber die Nachfolgerin ist auch niedlich! Unter der Glashaube macht sich erstere bestimmt auch sehr gut!
    frl. Pieselschöns Bilder sind wunderschön!
    Hübsch erzählt, hadt du deine Geschichte, Christiane!
    Liebe Wochenendgrüße
    Stefanie

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    1. Unbedingt zeigen, wenn Du die Kaffeemühlen gefunden hast. Klingt, als hättest Du mindestens ein Dutzend davon ;-).
      LG Christiane

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  2. Liebes Redaktionsteam,
    und wieder war es eine Freude, diese großartigen Fotos, besonders die von Frl. Pieselschön zu betrachten. Und wieder verlasse ich Euch mit einem Schmunzel bzw. breitem Lächeln im Gesicht und sage danke für diese lustige Geschichte, die mich irgendwie - warum auch immer - an Loriot erinnert ;o)).
    Diese Geschichte hat mich richtig aufgeheitert und wird mich nun durch das Wochenende begleiten :o)).
    Und so freue ich mich auf weitere heitere Geschichten und Klasse-Fotos von Euch.
    Nun wünsche ich euch von Herzen ebenfalls ein heiteres Wochenende. Genießt es und lasst es euch gut gehen !
    Schmunzelige Grüße hinterlässt euch Laura, die sich sehr über die lieben, netten überraschenden Grüße von Eurer Chefredakteurin gefreut hat und sich in den nächsten Tagen mit einer seperaten Mail ganz herzlich dafür bedanken wird - in der Hoffnung, dass sie (die Mail) nicht wieder im Nirwana verschwindet ;o)).
    Macht's gut !

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    1. Sorry, aber Tinkababy, die hier ständig an meinem Ärmel herumzupft und mich ablenkt, meint ich solle die Fehler noch korrigieren. Es wäre sonst peinlich.
      Also aus "Schmunzel" - machen wir Schmunzeln und aus "seperaten" machen wir separaten.
      Aber ihr versteht uns auch so - oder ? ;o))
      Nochmals liebe Grüße !

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    2. Es wäre mir gar nicht aufgefallen. Ich glaube, man ergänzt beim Lesen unbewusst fehlende Buchstaben. Außerdem sehe ich nicht so besonders (und suche ständig nach meiner Brille) ... manchmal kann ich nicht erkennen, ob ich nun etwas mit 2, 3 oder 4 "t's geschrieben habe. Aber ich sehe das nicht mehr so eng.
      Grüße an Deine liebenswerten Vierbeiner und Deinen sicher ebenso liebenswerten Professor.
      Christiane

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    3. Wo Du Loriot erwähnst: da fällt mir sofort die Geschichte "das Bild hängt schief" ein. Dieses so stylisch arrangierte Zimmer, von dem nachher nur ein Trümmerhaufen übrig war.

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  3. Bei dir ist es ja recht turbulent zugangen :), du hast so nett geschrieben, dass ich es mir plastisch vorstellen kann.
    Die Bilder von Frau Pieselschön, besonders das erste, gefallen mir richtig gut. Auch die Deko-Idee gefällt mir.

    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende wünscht dir
    Arti

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    1. Danke, Dir auch ein schönes Wochenende.
      LG Christiane

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  4. Liebe Christiane,

    diese Geschichte passt wirklich optimal zum Motto des Projekt. Sie beschreibt ausführlich die Versuche ein geeignetes Dekorationsobjekt zu gestalten, doch Fr. Pieselschön beweist, dass nur echte Katzen unkaputtvar sind, während der Rest der Wohnung in sich zusammenfällt. Eine heitere Story an diesem regenreichen trüben Tag, die meine Stimmung sehr erhellt hat. Herzlichen Dank und liebe Grüsse kalle

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    1. Ja, langweilig wird das hier nie mit so vielen Katzen ;-)
      LG Christiane

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  5. Herrlich! Wir mussten eben so sehr lachen, dass die arme Schlafmaus in meinem Arm heftig durchgeschüttelt wurde. Danke für diese erheiternde Beschreibung ;-)
    Wolfgang & Silke

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    1. Deine Maus schläft auf Deinem Arm. Das ist ja niedlich. Ich hoffe, sie ist nicht so schwer wie unsere Jungs.
      LG Christiane

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    2. Also nach 1 Stunde Laptop mit Maus auf dem rechten Arm kann ich die rechte Hand dann einige Zeit nicht mehr bewegen. Aber sie liebt es nun mal so zu schlafen. Und ich trainiere derweil das Tippen mit links - für sich anbahnende Arthrose ist so ein Training ja nicht verkehrt ;-)
      LG Silke

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  6. ich lach mich schlapp!!!!! Danke für die Erheiterung und natürlich auch die Fotos von Frau Pieselschön!!!

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  7. Hahaha liebe Christiane,
    sehr lustige Geschichte und ich freu mir ein Loch in den Bauch, dass ich der Auslöser war für diese Story ;-).
    Liebe Grüße von Tatjana aus dem Hessenland winkend

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  8. Liebe Christiane,
    ich habe mich köstlich amüsiert über deine Geschichte. Mein Gelächter war so laut, dass mein Mann, der sich zwei Zimmer weiter aufgehalten hat, wissen wollte, was denn los sei….
    Ja, genauso läuft es oft. Ich versuche meine Basteleien und tüftligen Arbeiten auch immer in den Zeiten zu erledigen, in denen die Fellchen ruhen. Solche Dinge sind ja ohne Katz schon kompliziert genug. Aber ihr sechster Sinn scheint ihnen immer zu verraten, wo gerade Interessantes abgeht im Haus. Mindestens eine taucht dann immer auf und muss natürlich alles genau beschnuppern und sich gerade da hinsetzen wo es am allerwenigsten passt. *seufz*
    Deine Deko mit oder ohne Polsterunterlage gefällt mir gut. Okay, Unfallopfer hätte noch etwas hübscher ausgesehen, aber wenn man es nicht kennen würde, wüsste man es ja nicht. ;-) Aber nun hat die Sache sich ja eh erledigt.

    Herzliche Grüße und lieben Dank für deinen in Wort und Bild herrlichen Beitrag.
    Uschi

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  9. Was für ein herrlicher Beitrag, liebe Christiane und ich musste schon schmunzeln über die Missgeschicke und letztendlich war ja doch nicht alles für die Katz und die Kaffeemühle wurde doch noch zum Schmuckstück. Die kleine Mieze sieht in der gepolsterten Lade einfach niedlich aus.
    Das war in der Tat eine aufwändige und heikle Operation, aber sie ging ja gut aus.
    Das ganze Szenario läuft bildhaft vor meinen Augen ab.

    Fr. Pieselschön ist aber wirklich eine ganz wundervoll Lady und ihr kann man unmöglich böse sein oder? Die Fotos sind einfach einmalig schön. :-)

    Liebe Grüße und dir ein schönes Wochenende
    Christa

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  10. Eine tolle Geschichte.Da kann man sich das Grinsen nicht verkneifen,wenn man von all den Missgeschicken liest...

    LG Ditschi

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  11. oh mein gott! was für komische szenen du da beschreibst!
    ja, tatjana hat ein händchen fürs dekorieren! ich hinke da auch hinterher, allein schon aus platzmangel (mangel an freiem, aufgeräumtem platz, wohlgemerkt!). und außerdem gefällt mir die schwarz-weiße katze auf den dem rosa sessel bei tatjana sowieso am besten! und DIESE deko kannst du mit deinen lebendigen schätzchen perfekt kopieren! :)

    lieben gruß und schönen klebstofffreien sonntag!

    susi

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  12. Liebe Christiane,
    richtig aufregend ist Deine Geschichte und ich finde sowohl das Porzellankätzchen wie (natürlich) auch die Lebendige wunderschön!
    Liebe Dienstagsgrüße
    moni

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  13. *grööööööhl* sorry Christiane ... das war bestimmt alles sehr ärgerlich und nervig und vor allem umsonst. Aber mit deiner Beschreibung der Geschehnisse hast du mir zumindest gerade sehr gute Laune bereitet ;-)

    LG Frauke

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  14. Eine tolle Alles für die Katz - Geschichte! Genau der richtige Aufsteller für den graunassen Tag heute bei uns. Frau Pieselschön ist ja süss und sieht sooooo unschuldig aus :)
    LG Esther

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