Dienstag, 11. September 2018

Immer wieder Sonntags - Überseemuseum

Der Dosimann wollte anlässlich des Tages des offenen Denkmals ins Überseemuseum. Angeblich ist das eines der meistbesuchten Museen Deutschlands. Natur- und Völkerkunde mag für Schüler und andere Bildungssuchende interessant sein, bei mir steht so ein Ausflugsziel nicht an erster Stelle.

Museum?  Das erinnert mich an meine Schulzeit und die bei solchen Besuchen oft wahrgenommene Tafel an den Exponaten "bitte nicht anfassen". Was macht der Schüler, dem es an sittlicher Reife fehlt?  Richtig, anfassen. Die Schilder gibt es auch heute noch. Die sittliche Reife ist dazugekommen. Damals wie heute gilt jedoch für meine Wenigkeit: ausgestopfte Tiere, Dioramen, Schautafeln und viel Text zu den Ausstellungsstücken überfordert mich. Mein Augenmerk fokussiert sich meist auf ein Thema und Details, die andere im Bewältigen der Informationsflut möglicherweise gar nicht wahrnehmen.

Trotz meiner ablehnenden Haltung bestand der  Dosimann  auf den Museumsbesuch. Allerdings nicht aus kulturellem Interesse sondern weil ihm der Sinn nach einem neuen 3-D Video stand. Hätte er gewusst, dass You Tube keine 3-D Videos mehr unterstützt, wären wir wohl nicht hingegangen. Es ist ein vorzeigbares Video geworden das dem Rest der Welt allerdings vorenthalten bleibt.

Vielleicht kennt der ein oder andere den Film "Nachts im Museum". Wem dieser Streifen nichts sagt:  In der Story erwachen des Nachts durch eine magische ägyptische Tafel die Figuren zum Leben und müssen durch den Museumswächter anfangs mühsam daran gehindert werden sich gegenseitig zu bekämpfen und abzumurksen. Nachher stehen sie zusammen gegen Räuber, die die Tafel geklaut haben. Ein Museum der anderen Art, in dem das  Dinosaurier-Skelett aus dem Foyer wie ein Hund hinter Stöckchen herjagt, eine Steinfigur mit Vorliebe Kaugummi kaut und ein kleptomaner Affe sich unflätig benimmt.  Wir erfahren, dass Attila, der Hunne, nicht nur eine schwierige Kindheit hatte sondern  hinter seinem impulsiven Drang die Leute zu vierteilen, einen weichen Kern versteckt. Da ist Aktion, da ist was los, da nimmt man was mit. Insgeheim hoffte ich auf eine ägyptische Abteilung im Überseemuseum. Man weiß ja nie ...

Vorbei an zwei streng schauenden Damen, Sphinxe genauer gesagt, die die Treppe flankieren, betrat ich also das Überseemuseum. Im Eingangsbereich sah man tatsächlich Teile eines großen Skelettes, das aber nicht den Anschein erweckte, als würde es Stöckchenfangen spielen. Missmutig betrat ich den  Innenraum mit dem beeindruckenden hohen Lichthof und fand zu meiner Freude gleich mein Thema.  Fernöstliches zieht mich immer magisch an.

Versöhnliche Anblicke. Ein japanisches Teehaus, ein Teich mit Koi-Karpfen, Pagoden,  Buddha-Statuen und indische Gottheiten. Geschirr, Musikinstrumente, Möbel, Kleidungsstücke, Mangas - alles aufgeboten, was zu fernöstlichen Ländern in Vergangenheit und Gegenwart passt. Sogar 3  japanische Winkekatzen saßen in einer der Vitrinen. Hier hätte ich gerne länger verweilt, den Dosimann zog's weiter. Mit den vielen Themenwechseln in den oberen Etagen war ich dann schon wieder überfordert. Auffallen viele Sitzgruppen luden zum Verweilen ein, wobei ich bei dem Tempo das der Dosimann vorlegt, nicht eruieren konnte ob es sich um Ausstellungstücke im Dialog mit indianischen Werkzeugen handelte oder man dem Besucher einfach die Möglichkeit geben wollte all die Eindrücke sacken zu lassen.

Fazit: ich würde gerne noch mal hingehen aber mich voll auf die Ausstellung in der unteren Etage konzentrieren.




erkläre Chimäre ...

zwei finster blickende Damen mit Löwenkörpern flankieren die Treppe und haben mich von jeher beeindruckt. Mehr als alles andere im Innern des Museums


Buddha in Meditation mit der Hand die Erde um Hilfe gegen die Dämonen anrufend. Er trägt  ein hakenkreuzähnliches Symbol auf der Brust.  Irritiert erfährt man, dass es sich um ein uraltes indisches und chinesisches Sinnbild für Glück und Unendlichkeit handelt.


viele Schnitzereien und buntes Glas



mal ehrlich, wenn einem 3 reizende Kätzchen zuwinken, hat man sofort gute Laune.
Da winkt selbst der Meditierende  zurück - dezent und mit einem ganz kleinen Lächeln. 

in dem Sinne
Carpe Diem



Kommentare:

  1. In Museen bin ich immer an den griechischen und ägyptischen Antiquitäten interessiert!
    LG Greg

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    1. An den Griechen wäre ich auch sehr interessiert - gab es hier aber leider nicht :-(
      LG Christiane

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  2. Moin Christiane,
    an exponierter Stelle in Bremen wirkt das Überseemuseum für mich dennoch wenig einladend.
    Ob es am Konzept oder an der Werbung liegt kann ich nicht beurteilen, eine Ausstellung in den letzten Jahren hatte mich gelockt und leider enttäuscht.
    Vielleicht ändert sich etwas bei der *Neugestaltung* des Bahnhofvorplatzes...
    LG Kelly

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    1. Wenn ich wegen der Ausstellung hin gegangen wäre, würde ich auch von Enttäuschung sprechen. Alles vollgestellt, in Teilbereichen zappenduster - orientierungslos sucht man nach Erleuchtung. Da finde ich das Fockemuseum viel schöner. Wohl auch, weil es einen Bezug zu Bremen hat.
      Und der Bahnhofsvorplatz wird durch die neuen hohen Gebäude die ihn nun hermetisch von der Stadt abriegeln auch nicht schöner ...
      LG Christiane

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